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Leipzig, 03. September 2020

MDM fördert neue Film- und Medienprojekte mit fast 4,3 Mio. Euro

Der Vergabeausschuss der Mitteldeutschen Medienförderung GmbH (MDM) hat in seiner dritten Sitzung 2020 am 02. September Fördermittel in Höhe von 4.295.221,91 Euro für insgesamt 36 Projekte vergeben.

Filmemacher Kanwal Sethis („Once Again – Eine Liebe in Mumbai”) neues Spielfilmprojekt „Die Ohrringe meiner Frau” erzählt die Geschichte von Ilyas und Yasemin, die sich als Paar eine gemeinsame Existenz aufbauen, um dann jäh aus dem Leben gerissen zu werden. Während Yasemin im gemeinsamen Café arbeitet, stürmen zwei Männer herein und erschießen sie (Rohfilm Productions, 600.000 Euro).

Mit 300.000,00 Euro fördert die MDM den internationalen Historienfilm „Saving Mozart” über die Kraft der Musik und ihre Instrumentalisierung durch Ideologie und Politik. Das von Film-Line Productions produzierte Drama des zweifach Oscar-nominierten belgischen Regisseurs Gérard Corbiau („Farinelli”, „Der König tanzt”) führt in das Jahr 1940, in dem ein tuberkulosekranker Zyniker (Gabriel Byrne) mit künstlerischer Raffinesse gegen die Vereinnahmung der Salzburger Festspiele durch die Nazis ankämpft.

Regisseur Alain Gsponer („Heidi”, „Jugend ohne Gott”) erzählt in „Wolke unterm Dach” mit Stars wie Frederick Lau und Hannah Herzsprung eine berührende Familiengeschichte über Liebe, Trauer und Loslassen. Darin muss sich der Pfleger Paul nach dem unerwarteten Tod seiner Frau Julia allein um die achtjährige Tochter Lilly kümmern. Eines Tages weiht sie den überforderten Paul in ihr größtes Geheimnis ein: Mama ist noch da und wohnt auf einer Wolke auf dem Dachboden (Pantaleon Films, 300.000 Euro).

Auf einer wahren Geschichte basiert das Kriegsdrama „War Sailor” von Gunnar Vikene. Es handelt vom norwegischen Seemann Alfred Garnes, dessen Schiff im Zweiten Weltkrieg bei einer Schlacht an der Seite der Alliierten von einem Torpedo versenkt wird. Er und zwei Kameraden überleben als einzige Besatzungsmitglieder auf einem kleinen Rettungsboot, doch ihr Tod scheint nur eine Frage der Zeit. Die Leipziger Rohfilm Factory erhält für das packende Epos 280.000 Euro Produktionsförderung.

Mit „GERMANCRIME STORY: Gefesselt” fördert die MDM mit 250.000 Euro eine von Neue Bioskop Film produzierte High-End-Krimi-Serie. Die sechsteilige erste Staffel des True-Crime-Formats widmet sich unter der Regie von Hannu Salonen dem Hamburger Frauenmörder Lutz Reinstrom, der Anfang der 1990er Jahre mit seinen Taten die Bundesrepublik erschütterte.

Timm Kröger, der mit seinem Abschlussfilm „Zerrumpelt Herz” 2014 nach Venedig eingeladen wurde, inszeniert als nächstes Projekt einen komplexen Schwarz-Weiß-Thriller über Quantenmechanik, parallele Welten und vorbestimmte Schicksale. Hauptfigur in „Die Theorie von Allem” ist der junge Physiker Johannes Leinert, der sich bei einem internationalen Kongress in den Schweizer Alpen in die Pianistin Karin verliebt. Bald darauf werden beide in rätselhafte Ereignisse verwickelt (Ma.ja.de Fiction, 250.000 Euro).

Im Animationsfilm „Stichkopf” der Regisseure Steve Hudson und Toby Genkel erschafft ein verrückter Professor beständig neue Kreaturen, um die sich dann sein erstes Geschöpf Stichkopf kümmern muss. Dieses fühlt sich von seinem Erschaffer vernachlässigt und folgt dem Angebot von Scheusalfinder, der ihm Starruhm und Anerkennung als Attraktion in seiner fahrenden Gruselshow verspricht (GRINGO films, 250.000 Euro).

In der ebenfalls mit 250.000 Euro geförderten Tragikomödie „Die Maßnahme” von filmkombinat Nordost schickt Regisseurin Sandra Kaudelka die frischgebackene Motivationstrainerin Juli zurück in ihre alte Heimat. In der ostdeutschen Provinz sieht sie sich auf einmal mit ihrer eigenen Mutter als Teilnehmerin ihres allerersten Motivationsseminars konfrontiert.

Mit „The World Beyond Silence – 15 Nutshells Around the World” entsteht einer der ersten Kino-Dokumentarfilme über die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen. Unter der Regie von Manuel Fenn beobachten 15 Drehteams Menschen in Städten wie Berlin, Jerusalem, Mumbai, New York oder Rom und zeigen, wie die Protagonisten im Angesicht der Krise die Fragilität des menschlichen Daseins erfahren. (Sunday Filmproduktion, 165.000 Euro).

Der Dokumentarfilm „The Gate” führt die Leipziger Filmemacher Jasmin Herold und Michael David Beamish nach dem mit dem Grimme-Preis ausgezeichneten „Dark Eden” abermals nach Nordamerika. In der verwüsteten Landschaft rund um das Testgelände Dugway entsteht über die Schicksale der hier lebenden Menschen ein aufrüttelndes Bild der Ohnmacht gegenüber dem gnadenlosen US-Militärapparat (Ma.ja.de. Filmproduktion, 150.000 Euro).

Einen alten Klinikkasten im ostthüringischen Eisenberg in eine Patienten-Wohlfühloase zu verwandeln, ist das Ziel des umtriebigen Titelhelden des von Kloos & Co. produzierten Dokumentarfilms „David” der Leipziger Regisseurin Antje Schneider. Im Rahmen des „Fifty-Fifty”-Abkommens mit dem ZDF fördert die MDM das Projekt über den unermüdlichen Kämpfer für ein menschengemäßes Krankenhausprojekt und die mögliche Zukunft des deutschen Gesundheitssystems mit 120.000 Euro.

Marita Stocker („Wohin mit all der Liebe”) reist in ihrem neuen Dokumentarfilm „Rock Chicks – The Untold Story” zurück zu den Anfängen des Rock ’n’ Roll. Dabei widmet sie sich ausschließlich Musikerinnen wie Wanda Jackson, Lillie Bryant oder Sister Rosetta Tharpe, die in den vierziger und fünfziger Jahren musikalische Pionierarbeit leisteten, heute aber weitgehend vergessen sind (accentus music, 120.000 Euro).

Einen gleichermaßen berührenden wie lebensbejahenden Dokumentarfilm zum Thema Demenz realisiert Louise Detlefsen: Schauplatz von „Mitgefühl auf Rezept” ist das Pflegeheim Dagmarsminde in Dänemark, wo demenzkranke Menschen gänzlich ohne Medikamente, dafür aber mit viel Zuwendung und Fürsorge behandelt werden (Neue Celluloid Fabrik, 70.000 Euro).

Nach ihrem kontrovers aufgenommenen „Lord of the Toys”, der 2018 die Goldene Taube bei DOK Leipzig gewann, haben sich Pablo Ben-Yakov und André Krummel für ihren nächsten Dokumentarfilm „Goldhammer” (AT) erneut einen streitbaren Protagonisten gesucht: Marcel Goldammer ist als schwuler Lebemann und Narzisst ein Meister der Selbstinszenierung, der mit jeder seiner radikalen Metamorphosen nach maximaler Aufmerksamkeit strebt (Glotzen Off, 70.000 Euro).

Das zweite Kurzfilmprojekt der Dresdner Theater- und Filmemacher Harriett und Peter Meining,Das Blutreich der Katze”, erweist sich als bitterbös-sarkastisches Kammerspiel mit surrealen Zügen. Die speziellen Erziehungsmethoden einer Mutter werfen dabei Fragen zu Macht und Moral auf (42film, 50.000 Euro).

In klassischer 2D-Animation entsteht Nina Pranges Kurzfilm „Regenland + Trockenland”: Er erzählt von zwei Kindern, die mit den gegensätzlichen Folgen des Klimawandels konfrontiert werden: Während das Beduinenmädchen Neneh unter der extremen Trockenheit leidet und nach Wasser sucht, macht sich Lamar in einem Ruderboot auf den Weg, der Flut in seinem Dorf zu entkommen (Traumhaus Studios, 50.000 Euro).

Was macht Angst als Emotion eigentlich aus? Und wie geht man am besten mit ihr um? Regisseurin Eliza Plocieniak-Alvarez lässt in ihrem Kurzanimationsfilm „My Name is Fear” die Angst als liebenswertes haariges Ungetüm einfach mal selbst per Videobotschaft zu Wort kommen (Carol Ratajczak, 45.000 Euro).

In dem 7-minütigen experimentellen Animationsfilm „Backflip” setzt sich Filmemacher Nikita Diakur mit dem Zwang zur Selbstoptimierung auseinander, indem er einen ihm nachempfundenen selbstlernenden Avatar mit der Aufgabe konfrontiert, einen Rückwärtssalto zu erlernen (Nikita Diakur, 34.000 Euro).

Der interaktive VR-Dokumentarfilm „Under the Skin/Na pele” von João Inada führt den Zuschauer in eines der größten Armenviertel Rio de Janeiros, wo die Gewalt von Militär und Polizei unter Präsident Bolsonaro noch zugenommen hat. Gemeinsam mit drei Bewohnern der Favela erlebt er direkt und ungeschönt die bedrohliche Atmosphäre während einer Polizeirazzia (blackboardfilms, 15.000 Euro).

Projektentwicklungsförderung geht an die Animadok-Projekte „Hüter des Mikrokosmos” (MotionWorks, 65.000 Euro) und „Wenn der Nebel sich lichtet” (Balance Film GmbH, 60.0000 Euro) sowie das historische Drama „Das jüdische Mädchen” (Elemag Pictures, 50.000 Euro). Als Projektentwicklung im Bereich der neuen Medien wird „Lost Forms” (expanding focus, 50.000 Euro) gefördert.

Im Stadium der Stoffentwicklung unterstützt die MDM zudem die Mystery-Serie „Wippedelle” (Kinderfilm GmbH, 25.000 Euro), den Dokumentarfilm „Nachtfahrer” (StoryBay, 17.000 Euro) und die Tragikomödie „Das Erbe des Robert Lampe” (42film, 15.000 Euro).

Im Verleih unterstützt die MDM „Otac” (Father) (Regie: Srdan Golubovic, barnsteiner-film, 20.000 Euro), der bei der diesjährigen Berlinale Weltpremiere feierte. Abspielförderung erhält der Dokumentarfilm „Stollen” (Regie: Laura Reichwald, Neue Celluloid Fabrik, 11.221,91 Euro).

Weiterhin gewährt die MDM Fördermittel für das Internationale Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm (170.500 Euro), die Filmkunstmesse Leipzig (120.000 Euro), die Filmmusiktage Sachsen-Anhalt (100.000 Euro), das Werkleitz Festival (100.000 Euro), den Berlinale Co-Production Market (60.000 Euro), den Sources 2 Script Development Workshop (30.000 Euro), AG Kurzfilm – Promotion, Service, Koordination (17.000 Euro) sowie die SchulKinoWochen Sachsen (15.000 Euro).

Weitere Informationen zu allen geförderten Projekten sind hier (PM) und hier (Übersicht Förderentscheidungen) zu finden.